Integrative Zahnheilkunde

Toxikologie von Metalllegierungen

Von Peter Jennrich

„Schleichende Quecksilbervergiftungen sind sicherlich viel verbreiteter, als man im allgemeinen glaubt.“
(A. Stock vom Kaiser-Wilhelm-Institut für Chemie, Berlin 1926)


Die Geschichte der Metallbearbeitung ist auch ein Aspekt der Geschichte der Menschheit. Vor 10.000 Jahren wurde zunächst elementar vorkommendes Kupfer zu Werkzeugen und Waffen verarbeitet. Vor ca. 5.000 Jahren begann man dann aus Kupfer und Zinn die ersten Metalllegierungen herzustellen. Die daraus entstehende Bronze war wesentlich härter als Kupfer und gab der „Bronzezeit“ ihren Namen. Seither sind Metalle und Legierungen in vielfältiger Form und Funktion fester Bestandteil des täglichen Lebens. Stahl, Messing und Gusseisen sind dafür nur einige Beispiele. In der Medizin werden Metalllegierungen in der Zahnmedizin, in der Versorgung mit Gelenkprothesen oder bei Herzschrittmachern verwendet. In der Zahnmedizin finden Legierungen mit Quecksilber (Amalgam), Nickel, Palladium, Gold, Titan, Eisen, Mangan, Kupfer, Chrom und Beryllium Verwendung.

Welche Wechselwirkungen sich daraus ergeben und welche gesundheitlichen Konsequenzen daraus entstehen können wird noch viel zu wenig berücksichtigt.

Um die gesamte Bedeutung der Auswirkung von Metallen auf den menschlichen Körper richtig einschätzen zu können, ist es hilfreich wenn man sich einige grundlegende Tatsachen vergegenwärtigt:

1) Eine akute Vergiftung mit einem Schwermetall ist selten.
2) Eine chronische Belastung mit vielen verschiedenen Metallen ist die Regel.
3) Die gemeinsame Wirkung verschiedener Metalle kann größer sein, als die Summe ihrer Einzelwirkungen.
4) Ein Schwermetall kann verschiedene Organe schädigen.
5) Ein Organ kann von verschiedenen Metallen geschädigt werden.

Die Aufnahme einer großen Menge an Schwermetallen in kurzer Zeit, also eine akute Schwermetallvergiftung, ist in den westlichen Industrienationen durch verbesserte Arbeitsschutzmaßnahmen und weitere sozialpolitische Verordnungen deutlich geringer geworden als zu Beginn des Industriezeitalters. Was heutzutage dagegen zur Tagesordnung zählt, ist die chronische Zufuhr von verschiedenen Schwermetallen in einer niedrig dosierten aber andauernden Belastung. Es wird pro Schadstoff nur eine geringe Menge, dafür aber eine Vielzahl von Schadstoffen aufgenommen.

Verschiedene Untersuchungen darüber, welche Menge an Schwermetallen von jedem Europäer im Durchschnitt aufgenommen werden, belegen das. So wurden zum Beispiel in den Jahren 1995 bis 2002 insgesamt über 28.000 Lebensmittelproben vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hinsichtlich ihres Blei-, Cadmium- und Quecksilbergehaltes untersucht. Das Ergebnis ist erschreckend: 92,1 %, also fast 26.000 Stichproben, waren mit Schwermetallen kontaminiert.   

Wie sicher sind Grenzwerte?

Der Toxikologe Friedrich Bär schrieb bereits 1973: „Ein individuell gesundheitlich annehmbarer Betrag einer Wasserverunreinigung, zusammen mit einer einzeln tolerierbaren Menge einer Luft- und Lebensmittelverunreinigung [...] können eine in der Gesamtheit unannehmbare Umwelt schaffen.“ Das gilt im übertragenen Sinn auch heute, nach 35 Jahren, in Bezug auf die Risikobewertung von Schwermetallbelastungen.

Bei der Einschätzung des Risikos von Schwermetallen im Trinkwasser, in den Lebensmitteln oder im Zahnersatz wird gerne betont, dass die kritischen Grenzwerte nicht überschritten werden. Dabei tut man gerade so als gäbe es außer der gerade untersuchten Schwermetallquelle keine weiteren Kontaktquellen für Menschen. Das Gegenteil der Fall. Es ist doch nichts Ungewöhnliches, wenn ein Mensch mit einer Amalgamfüllung Fisch isst, der ebenfalls häufig Quecksilber enthält, und dazu Wasser trinkt, das Blei enthält. Oder er isst güllegedüngtes Gemüse, das Kupfer, Blei, Cadmium, Chrom, Nickel und Zink enthalten kann. Dazu kommen Aluminium aus dem Deo, und Titan aus der Zahnpasta. Auch die täglichen Medikamente enthalten oft Titan und Eisenoxide als erlaubte Zusätze.

Diese Vielfalt niedrig dosierter Metalle kann eine vermehrte Bildung freier Radikale im Körper auslösen und zu einer Schädigung der Mitochondrien führen. Das bewirkt eine empfindliche Schädigung des Energiehaushaltes der Körperzellen und bildet die Basis für eine Vielzahl von Krankheiten und degenerativen Organveränderungen. Dazu zählen:

  • degenerative KH des Nervensystems (Morbus Parkinson, Morbus Alzheimer, vaskuläre Demenz) 
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen (KHK, pAVK, Karotissklerose, Herzinfarkt, Schlaganfall...)
  • Krebserkrankungen
  • Autoimmunerkrankungen
  • Depressionen
  • degenerative KH des Auges (Makuladegeneration, grauer Star...)
  • degenerative KH des Bewegungsapparates (Arthritis, Knie-, Schulter-, Hüftgelenksarthrose, Bandscheibenschäden...)

Neben dem grundlegenden Mechanismus der Bildung freier Radikale lassen sich die Auswirkungen von Schwermetallen im menschlichen Körper in 3 Aspekte gliedern:

1. Toxische Wirkung
2. Allergische Wirkung
3. Galvanische Wirkung

Toxische Wirkung

Die toxische Wirkung ist abhängig von der Menge des Metalls. Das bedeutet je mehr Cadmium vorhanden ist, desto giftiger ist es - je mehr Blei vorhanden ist, desto giftiger ist es und je mehr Quecksilber vorhanden ist, desto giftiger ist es. Das Gleiche gilt für Aluminium, Arsen, Beryllium, Barium, Eisen, Kupfer, Nickel, Palladium und viele andere Metalle.

Um die Menschen vor der giftigen Wirkung von Schwermetallen zu schützen, gibt es Grenzwerte für das Trinkwasser, den Arbeitsplatz und für Lebensmittel. Wer sich nun in Sicherheit wiegen möchte, der muss allerdings berücksichtigen, dass die Grenzwerte in der Regel für ein Metall in einem Medium (z. B. Wasser) festgelegt werden. Dem jeweiligen Grenzwert liegt die Idealvorstellung zugrunde, dass der Verbraucher mit keinen weiteren Metallen in Kontakt kommt und über einen gesunden und entgiftungsfähigen Organismus verfügt. 

So wurden beispielsweise in einem Laborversuch verschiedene Zahnmetalllegierungen untersucht um herauszufinden, wieviele Metallionen durch den Speichel und das Kauen aus den Legierungen gelöst werden.
Dabei zeigte sich, dass die Zahnmetalle je nach Zusammensetzung und Qualität des Ausgangsmaterials unterschiedliche Mengen von Nickel-, Eisen-, Mangan-, Kupfer-, Chrom- und Beryllium-Ionen im Speichel freisetzen. Die Wissenschaftler kamen zu dem Ergebnis, dass die tägliche Menge der Metall-Ionen, die freigegeben wurden, weit unterhalb der erträglichen oberen Toleranzgrenze für jedes einzelne Metall zu liegen scheint. Somit vermitteln sie den Eindruck, es könne „grünes Licht“ geben für den Einsatz von Zahnmetalllegierungen unterschiedlicher Qualität. Dabei ergeben sich jedoch zwei Kritikpunkte, die offensichtlich nicht berücksichtigt wurden:

1) Wo liegt die Toleranzgrenze beim Vorliegen einer Mehrfachbelastung, wie dies ja in dem Versuch der Fall war?

2) Wo liegt die Toleranzgrenze bei gleichzeitiger Aufnahme von Quecksilber, Blei, Eisen, Nickel, Kupfer u. a. Metallen mit der Nahrung oder durch Gegenstände des täglichen Gebrauchs?

Beispiel: Durchblutungsstörungen

In mehreren internationalen Studien wurde nachgewiesen, dass Aluminium, Arsen, Blei, Cadmium und Quecksilber gefäßschädigend sind und ein großes Gefahrenpotential für die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen darstellen. So entdeckten beispielsweise französische und englische Wissenschaftler, dass die schädigende Wirkung von Aluminium auf den Organismus hauptsächlich durch die Bildung eines „Aluminium-Superoxid-Radikals“ verursacht wird. Inzwischen wurde in den Arterien der Beine, in den Herzkranzgefäßen, in der Hauptschlagader und in Gehirngefäßen Ablagerungen von Aluminium gefunden. Ein Metall, das sich in den Gefäßwänden anreichert und freie Radikale bildet, kann zudem ein Risikofaktor für die Endothelschädigung und die Arteriosklerose sein. 

Auch Quecksilber kann gefäßschädigend sein. Dem Quecksilber sagt man nach, dass es relativ schnell vom Körper wieder ausgeschieden wird und deswegen wohl auch nicht so schädlich sein könne. Demgegenüber stehen die Untersuchungen von verstorbenen Arbeitern, die in Quecksilberminen gearbeitet haben und mehrere Jahre keinen Kontakt mehr mit Quecksilber hatten. Nach ihrem Tod fand man erhöhte Quecksilberwerte im Gehirn, in den endokrinen Drüsen (z. B. Schilddrüse), in der Zirbeldrüse, in der Niere und in weiteren Organen.

Die Entdeckungen sprechen dafür, dass Quecksilber länger im Körper verweilt, als bislang angenommen. Das kann schwerwiegende Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Die “Heavy Metals and Myocardial Infarction Study Group” vom Department of Epidemiology and Welch Center for Prevention in Baltimore/USA stellte fest, dass die Quecksilberbelastung von Herzinfarktpatienten oft erhöht ist. Die Wissenschaftler machten darauf aufmerksam, dass Quecksilber bei 684 Herzinfarktpatienten deutlich erhöht war, im Vergleich zu einer gesunden Vergleichsgruppe von 724 Personen. Aufgrund der Auswertung der Essgewohnheiten der betroffenen Patienten kamen sie zu dem Schluss, dass Fischessen ein Risiko für eine Quecksilberbelastung und ein damit verbundenes erhöhtes Herzinfarktrisiko ist. Weitere Untersuchungen belegen die gefäßschädigende Wirkung von Quecksilber:

  • Aus dem Jahr 2001 stammt eine Studie in der mehrere renommierte Forschungsinstitute aus Frankreich, Spanien, Italien, Schweden, Slowenien und Russland der Frage nachgegangen sind, ob bereits geringe Quecksilbermengen eine toxische Wirkung auf den menschlichen Organismus haben. Nach der Auswertung der Befunde von über 7000 Menschen kamen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass bereits eine chronische Belastung mit geringen Mengen an Quecksilber ausreicht, um zu einer erhöhten Sterblichkeit durch Bluthochdruck, Herz-, Lungen- und Nierenerkrankungen zu führen. Als Ursache nannten die Forscher eine erhöhte Bildung freier Radikale mit einer daraus folgenden Gewebs- und Gefäßschädigung.

  • <//font>Finnische Wissenschaftler untersuchten 1.000 Männer 4 Jahre lang um die Risikofaktoren für die Entstehung einer Carotisstenose herauszufinden. Das Ergebnis war erstaunlich: Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass ein hoher Quecksilbergehalt einer der stärksten Risikofaktoren für eine schnell fortschreitende Arteriosklerose der Halsschlagader bei den untersuchten 1.000 Menschen war.

Wenn man berücksichtigt, dass durch den Speichel auch Quecksilber aus Amalgamfüllungen freigesetzt werden kann, so wird man wohl im Einzelfall folgende Frage schwer beantworten können: Wieviel Quecksilber stammt aus den Zahnfüllungen und wieviel vom Fischessen? Nun kann man sich entweder überlegen wieviel Quecksilberfüllungen ein Fischesser verträgt, oder, im Sinne der Primärprävention, auf Fisch und Amalgamfüllungen verzichten.

Allergische Wirkung

Die schädigende Wirkung der Metalle kann sowohl durch toxische als auch durch allergische Mechanismen hervorgerufen werden, sowie durch ein Zusammenwirken beider Faktoren. Der wesentliche Unterschied zwischen einer toxikologischen Giftwirkung und einer allergischen Reaktion ist die Metallmenge, die notwendig ist, um körperliche Symptome hervorzurufen. Für eine allergische Wirkung bedarf es in der Regel wesentlich geringeren Mengen als für die Giftwirkung der gleichen Substanz. Eine chronische Zufuhr von geringen Metallmengen kann ausreichen um eine Sensibilisierung gegen Nickel, Quecksilber und andere Metalle hervorzurufen.

Ein Beispiel ist das Burning-Mouth-Syndrom (BMS). Darunter versteht man chronische, schmerzhafte und zumeist brennende Beschwerden an der Zunge und seltener auch an den Lippen, am Gaumen, und in der übrigen Mundhöhle. Hinzu kommen häufig Geschmacksmissempfindungen und Mundtrockenheit. Die Ursachen dafür können bei Zahnmetallen, Konservierungsstoffen und  Klebern liegen. Im Epikutantest kann man dabei oft eine Reaktion auf Nickel, Chrom, Palladium, Quecksilber (Phenylquecksilberacetat, Thiomersal) oder Acryl nachweisen.

Während mit dem Epikutantest nur die Reaktion der Haut auf mögliche Allergene überprüft wird, kann mit Hilfe des Lymphozytentransformationstestes (LTT) oder dem erweiterten MELISA Test die Reaktion von weißen Blutkörperchen (Lymphozyten) auf Metalle und andere Materialien erkannt werden. Das ermöglicht tiefergehende Einblicke in das Immunsystem des Patienten. 

Der MELISA Test ermöglicht die Diagnose und die Therapiekontrolle von Patienten, die an einer Metallsensibilisierung leiden. Häufige Sensibilisierungen treten auf gegen Nickel (68 %), Cadmium (23 %), Gold (17 %), Palladium (12 %), anorganisches Quecksilber (11 %), Molybdän (10%), Beryllium (9 %), Titandioxid (4 %), Blei (3 %) und Platin (3 %). Sensibilisierungen gegen drei oder mehr Metalle treten fast bei jedem 5. Patienten auf. Dies ergaben Untersuchungen von 700 Patienten, die mit einem MELISA Test untersucht wurden.  

Beschwerden die mit einer Metallsensibilisierung einhergehen können, sind nicht auf die Haut oder die Mundhöhle beschränkt. Es können auch auftreten: 

  • chronische Müdigkeit (CMS/CFS)

  • chronische Schmerzen/Fibromyalgie

  • Multiple Sklerose

  • Autismus

  • Hautekzeme

  • Pustulosis palmaris et plantaris

  • Lichen planus

  • generalisiertes Kontaktekzem

  • Alopezia areata

  • verzögerte Wund-/Frakturheilung

Mögliche Beschwerden bei Metallsensibilisierung

Krankheitsfälle die auf einer Metallallergie beruhen, können oftmals durch eine symptomorientierte Behandlung nicht geheilt werden. Die Beschwerden bilden sich erst zurück, wenn die auslösenden Metalle entfernt werden. Das kann eine Entfernung der Zahnmetalle nötig machen oder/und eine Elimination von Metallen mit Hilfe von Chelatbildnern. Wird dies konsequent und fachgerecht befolgt, so kann auch bei schwerwiegenden und hartnäckigen Krankheitsbildern eine Verbesserung und Heilung erreicht werden. Das trifft auch für Multiple Sklerose und chronische Schmerzpatienten zu.

Metallsensibilisierung und Bildung von Autoantikörpern

Die Antikörperbildung ist für das Immunsystem von existentieller Bedeutung um sich gegen schädliche Einflüsse gezielt zur Wehr setzen zu können. Bildet das Immunsystem jedoch Antikörper, die sich fälschlicherweise gegen den eigenen Körper richten, so entstehen Autoimmunkrankheiten, die verschiedene Organe betreffen können. Es gibt einige Untersuchungen, die einen Zusammenhang aufzeigen zwischen einer Schwermetallbelastung und der Bildung von Autoantikörpern. So zeigten Patienten mit einer Autoimmunthyreoiditis, bei denen eine Quecksilberüberempfindlichkeit nachgewiesen wurde, eine deutliche Abnahme der Schilddrüsen-Autoantikörper nach Entfernung ihrer Amalgamfüllungen. Das ist für die betroffenen Patienten ein wesentlicher Beitrag zur erfolgreichen Behandlung ihrer Schilddrüsenerkrankung.

Titanallergie

Ein weiterer positiver Aspekt des MELISA Verfahrens ist die Möglichkeit, eine Titanallergie nachzuweisen. Es ist das einzige wissenschaftlich geprüfte Verfahren um dieses Krankheitsbild zu diagnostizieren und seinen Schweregrad abzuschätzen. Da durch die konventionellen Diagnoseverfahren in der Medizin Titanallergien nicht aufgespürt werden, ist dieses Krankheitsbild auch bislang zu wenig bekannt. Titan ist weit verbreitet in der Lebensmittel- und Medikamentenherstellung, wo es als Titandioxid E171 Verwendung findet, um z. B. Dragees einen glänzend weißen Überzug zu geben. Auch in Zahncreme, Sonnencremes, Kosmetika und Schmuck wird Titan verarbeitet.

In der Medizin kommt es als Metall für Gelenkprothesen und Zahnimplantate häufig zum Einsatz. Jährlich wird in Deutschland mehrere hunderttausend Mal titanhaltiger Zahnersatz implantiert. Wie bei allen Metallen werden auch bei Titan durch Korrosion Teilchen freigesetzt. Als Metallionen können sie sich an körpereigene Eiweiße binden und bei empfindlichen Personen zu Abwehrmaßnahmen des Körpers gegen seine eigenen Eiweiße führen. Muskelschmerzen, Müdigkeit, Hautausschlag und weitere Beschwerden können die Folge sein.

Durch die Untersuchung von Patienten mit dem MELISA-Test kann man die Reaktion des Immunsystems gegen Titan nachweisen. Es hat sich dabei gezeigt dass ca. 10 % der Untersuchten eine Titanallergie haben. Daran sollte man denken, wenn Patienten mit Zahnimplantaten, Gelenkprothesen oder regelmäßiger Medikamenteneinnahme über Symptome klagen, die sonst nicht klar einzuordnen sind.

Galvanische Effekte

Bei Patienten mit metallhaltigem Zahnersatz kann man im Speichel oftmals eine erhöhte Konzentration von Quecksilber, Zinn, Silber, Kupfer und Gold messen. Zwischen diesen unterschiedlichen, durch Korrosion freigesetzten, Metallionen können sich elektrische Spannungen aufbauen, zwischen denen ein Stromfluss entstehen kann. Man spricht dann auch von einer "Mundbatterie", die zu erheblichen körperlichen Beeinträchtigungen führen kann. Das Vorkommen der galvanischen Effekte wird nicht nur durch die Kombination der verschiedenen zahnmedizinischen Legierungen, sondern auch durch die Qualität der benutzten Materialien und deren Verarbeitung beeinflusst. Ist der Speichel im sauren Bereich, treten die galvanischen Phänomene verstärkt auf. Amalgam und Silberlegierungen zeigen oft höhere Spannungen und eine stärkere Stromstärke als andere Zahnmetall-Legierungen.
Selbst an extrahierten Zähnen kann man in einer physiologischen Kochsalzlösung einen Stromfluss nachweisen, der bei Amalgam bis zu 9fach stärker sein kann als bei Goldfüllungen. Beschwerden, die dadurch ausgelöst werden können, sind Schmerzen sowie Metallgeschmack im Mund und eine Vielzahl von Befindlichkeitsstörungen, wie Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen, Nervosität und Erschöpfung.

Klinischer Nachweis von Schwermetallintoxikationen

Der Hinweis auf chronische Schwermetallbelastungen ergibt sich für den biologisch arbeitenden Arzt durch die Anamnese, das Beschwerdebild des Patienten sowie verschiedene bioenergetische Testverfahren. Der Nachweis der Belastung erfolgt durch Mobilisationstests und Urinanalysen. Die Entgiftung geschieht durch wirksame Medikamente wie DMPS, DMSA, EDTA, Zn-DTPA und Ca-DTPA. Der Therapieerfolg wird durch einen abschließenden Mobilisationstest mit dazugehöriger Laboranalyse dokumentiert. Die Mobilisationstests sind notwendig, weil sich die aufgenommenen Metalle sofort in den Speicherorganen ablagern und Blutwerte somit lediglich für den Nachweis akuter Belastungen aussagekräftig sind.

Dies ermöglicht dem ausgebildeten Arzt eine schonende und gezielte Entleerung der Giftdepots, da die Schwermetalle fest an die Trägersubstanz gebunden und mit dieser zusammen ausgeschieden werden. Bei höhergradiger Vergiftung, und damit längerer Therapiedauer, ist ein Ausgleich des Mineralhaushaltes einschließlich Selen und Zink sowie eine Kontrolle der Nierenfunktion unbedingt erforderlich. Es wäre wünschenswert, wenn die Diagnose und Therapie von Schwermetallbelastungen den ihr gebührenden Platz im medizinischen Alltag einnehmen würden.

In einer Zeit, in der die chronische Zufuhr von Schwermetallen an der Tagesordnung ist, und in der die Bedeutung einer chronischen niedrig dosierten Schwermetallbelastung für die Entstehung von chronischen Krankheiten immer besser erforscht wird, ist es ratsam nach Möglichkeit dafür zu sorgen, dass man sich nicht unnötigen Schwermetallbelastungen aussetzt. Unter diesem Gesichtspunkt sollte man die Wahl zwischen Metalllegierungen und metallfreiem Materialien in der Zahnheilkunde neu überdenken.

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Autor:

Peter Jennrich
Facharzt für Allgemeinmedizin/ Naturheilverfahren
Klinischer Toxikologe für Schwermetalle (IBCMT)

Marienstr. 1
97070 Würzburg 

Tel.: 0931.3292207
Fax: 0931.3292209 

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